Dein Browser unterstützt leider nicht alle Funktionen dieser Website. Bitte aktualisiere ihn auf eine neuere Version oder hol’ dir einen modernen Browser.
zum Download von Firefox zum Download von Google Chrome zum Download von Opera
Ignorieren

Das Leben des possierlichen Webdesigners

Der Beruf des Webdesigners ist so vielseitig wie die Artenvielfalt im Tierreich. Heutzutage gibt es für jede Aufgabe und jede Branche einen Spezialisten. Begeben wir uns auf Spurensuche ...

logo-element-inhalt-klein

Zeichnung eines Webdesigners bei der Arbeit

Ein Webdesigner ist viel mehr als nur ein „Seitenbauer“

Den Begriff hat jeder wohl schon einmal gehört. Aber nicht jeder stellt sich unter dem Beruf des Webdesigners das Gleiche vor. Für die meisten ist es jemand, der Webseiten erstellt. Aber das ist nur ein Bruchteil seiner Aufgaben. Es gibt noch so viel mehr. Schauen wir genauer hin …

Ein Platz für Webdesigner

Hand hoch! Wer von Ihnen kennt noch Professor Bernhard Grzimek? Die Älteren von uns werden sich erinnern. Lang, lang ist´s her. Für alle Jungspunde: Er war ein berühmter Tierdokumentarfilmer, Zoologe und Tierschützer in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren.

Ich erinnere mich gerne an die Fernsehserie „Ein Platz für Tiere“. Dort leitete Professor Grzimek die Sendung immer gerne wie folgt ein: „Guten Abend meine lieben Freunde. Heute hat mich aus dem Zoo folgendes Tier begleitet.“ Er verwendete oft den Begriff „possierlich“ für alle Arten von Tieren.

Und an dieses Wort muss ich immer denken, wenn ich jemanden erkläre, was ein Webdesigner ist und was er so macht. Halt das gemeine Leben des … possierlichen Webdesigners:

Der possierliche Webdesigner kommt in freier Wildbahn häufig vor und hat sich über den gesamten Erdball überproportional verteilt. Er gehört zur übergeordneten Gruppe der Designer, ebenso wie der Mediendesigner, Grafikdesigner, Multimediadesigner und viele mehr. Vor nicht allzu langer Zeit wurde auch die Gruppe der UI/UX-Designer entdeckt. Sie erfreuen sich mittlerweile großer Beliebtheit und werden von Unternehmen gerne als „Haustiere“ gehalten.

Der Webdesigner rottet sich oft zu Gruppen unterschiedlichster Größen zusammen, den sogenannten Agenturen. Hier geht er oft Symbiosen z.B. mit Programmierern, Marketing-Menschen, Fotografen und Textern ein, um gemeinsam an großen Kundenprojekten zu arbeiten.

Ihn gibt es aber auch als Einzelgänger, der sich allein durch die raue Web-Wildnis kämpft. Immer auf der Suche nach einem Beute-Kunden, der ihn für längere Zeit die benötigte Geldnahrung liefert.  Sie führen oft ein karges Leben voller Entbehrungen. Sie passen sich aber immer perfekt den örtlichen Gegebenheiten ihrer Umgebung an. Trotzdem sind die meisten Webdesigner gesellige Menschen, die gerne den Kontakt zu Artgenossen aufnehmen und sich mit ihnen austauschen …

Na gut! So erkläre ich es meinen Kunden jetzt nicht, was ein Webdesigner ist. Obwohl es sicher witzig wäre, ihre Reaktion zu erleben. Meistens zähle ich ihnen auf, was alles zu meinem Portfolio gehört. Und da sind viele Kunden erstaunt.

Zeichnung eines Forschers, der an einem Ast hängt

Zeichnung eines Webdesigners, der viele Aufgaben gleichzeitig erledigt

Die Aufgaben eines Webdesigners

Heutzutage reicht es einfach nicht mehr aus, einem Kunden „nur“ eine Website zu gestalten. Als Webdesigner muss man so viel mehr bieten. Es fängt doch schon damit an, dass man Kundenflüsterer sein muss. Seien wir doch ehrlich: Eine gute umfassende Beratung und ein daraus resultierendes professionelles Konzept sind viel wichtiger, als die Website selbst. Ohne diese beiden Grundpfeiler ist ein erfolgreiches Projekt gar nicht denkbar.

Da ist es nicht mit einem fünfminütigem Gespräch getan. Manchmal ist es wochenlange akribische Arbeit, bevor auch nur der erste Code geschrieben wird. Oft wissen die Kunden selbst nicht, was sie genau wollen und was alles nötig ist, um eine professionelle Website online zu stellen. Ich sehe mich in solchen Fällen als Unterstützer, als neuer engagierter Mitarbeiter des Kunden.

Was gehört noch zur Arbeit eines Webdesigners? Wie der Name es schon beinhaltet: Er designt, gestaltet Webseiten, die optisch den Inhalt unterstützen und ergänzen. Das Design sollte nicht nur schön anzusehen sein, sondern einen Zweck erfüllen.

Der Webdesigner kennt sich mit Schriften (Typografie) und Farbenlehre aus. Ihm sollte zumindest klar sein, dass zu einem modernen Design keine Sütterlinschrift gehört oder Neonfarben nicht gerade der Standard heutzutage sind – es sei denn, der Kunde steht auf 80er-Jahrestyle.

Auch Fotobearbeitung sollte kein Fremdwort für den Webdesigner sein. Er weiß genau, wie er Fotos für das Web bearbeitet, zuschneidet, Farbkorrekturen durchführt, die Dateigrößen optimiert usw.

Und, das finde ich ganz wichtig, er sollte in der Lage sein, einigermaßen fehlerfrei zu schreiben bzw. einen vorhandenen Text auf richtige Grammatik zu prüfen. Was nützt dem Kunden eine wunderschöne, benutzerfreundliche Website, wenn die Texte voller Rechtschreibfehler sind?

Fehlerfreier Content ist ein Qualitätsmerkmal!

Was sollte ein Webdesigner technisch drauf haben?

Kommen wir zum technischen Bereich. Gut, hier unterscheiden sich die Geister. Viele verschiedene Philosophien werden als die einzig wahre angepriesen. Im Endeffekt muss aber jeder Webdesigner für sich entscheiden, wie er Kundenprojekte am effektivsten umsetzt – und der Kunde natürlich das bekommt, was er haben möchte.

HTML und CSS sind ein Muss, PHP und Javascript ein Nice-to-have, und alle weiteren Programmierkenntnisse einen Applaus wert.  Webdesigner, die mehrere Programmiersprachen beherrschen, sind sehr dünn gesät. Für mich geht das auch mehr in Richtung Programmierer.

Ich bin in verschiedenen Foren und Gruppen vertreten, die sich mit Webdesign beschäftigen. Schreiben Sie in einer solchen Gruppe einmal rein, dass Sie einen Pagebuilder benutzen, um Kundenseiten zu erstellen. Sie glauben gar nicht, wie schnell Sie eine feurige Diskussion entfachen. Es geht relativ schnell auch mal unter die berühmte Gürtellinie.

Auf der einen Seite finden wir die Verfechter der per Hand geschriebenen – gecodeten – Website. Pagebuilder und sonstige Hilfstools meiden sie wie der Teufel das Weihwasser. Hier gibt es keinen überflüssigen HTML- und CSS-Code. Das wirkt sich natürlich auf die Ladegeschwindigkeit und Performance der Website aus. Sie sind in der Regel rasend schnell. Ein weiteres Qualitätsmerkmal einer Kundenwebsite.

Jetzt kommt das Aber: Solche Seiten zu coden ist ein enormer Zeitaufwand und entsprechend teurer als Websites, die mit Pagebuildern erstellt wurden. Es ist auch die Frage, ob solche Websites für Kunden selbst leicht zu pflegen sind. Es sei denn, es wird direkt ein komplettes Theme für z.B. WordPress erstellt. Ein zusätzlicher Kostenfaktor für Kunden.

Zeichnung von drei Webdesignern, die ein Schild mit Website halten

Zeichnung von zwei Webdesignern mit Ja-Nein-Schildern

Pagebuilder können die Arbeit erleichtern

Kommen wir zur anderen Seite, den Verfechtern der Pagebuilder. Sogenannte Pagebuilder sind Programme, die in WordPress integriert werden können. Ohne Vorkenntnisse von HTML und CSS werden Websites mit verschiedensten Elementen zusammengestellt. Man braucht einen Textblock oder ein Foto? Kein Problem! Einfach das Element an die entsprechende Stelle der Seite ziehen und bearbeiten. Das berühmte Baukastensystem. Und wer es noch einfacher haben will, wählt sich aus Tausenden von fertigen Vorlagen seine Website aus und passt sie nur noch inhaltlich an.

Klingt doch fantastisch, oder? Jein! Der Vorteil liegt auf der Hand. Seiten lassen sich enorm schnell zusammenstellen, man muss nichts programmieren. Wählt man eine fertige Vorlage, geht´s nochmal so schnell. Aber: Bei Letzterem ist die Gefahr groß, dass andere auch diese Vorlage nehmen, sodass die Seiten sich natürlich ähneln. Es gibt kein Alleinstellungsmerkmal der Website.

Außerdem bläht sich bei Pagebuildern der HTML- und CSS-Code enorm auf, weil alle Einstellungsmöglichkeiten berücksichtigt werden – ob sie nun gebraucht werden oder nicht. Von den vielen Javascripts ganz zu schweigen. Die Performance der Website ist entsprechend langsam. Es muss Zeit investiert werden für die Optimierung. Außerdem lässt sich bei Pagebuildern nicht immer alles nach eigenen Wünschen einstellen. Dann muss trotzdem auf CSS zurückgegriffen werden.

Pagebuilder ist nicht gleich Pagebuilder. Es gibt kostenlose, die dann aber auch entsprechend wenige Möglichkeiten der Gestaltung bieten. Diese sollten Sie nur dann nehmen, wenn es sich um eine private Website handelt. Gute Pagebuilder kosten Geld und werden in verschiedenen Preiskategorien angeboten. Da ist für jeden Geldbeutel etwas Passendes dabei.

Greyd, Avada, DIVI und Co.

Ich selbst arbeite mit drei Pagebuildern:

Ich selbst habe mich mittlerweile für die Arbeit mit Pagebuildern entschieden, kombiniere es aber auch mit angepasstem CSS, um Kundenseiten individuell zu gestalten. Es spart mir enorm viel Zeit. Zeit, die ich wiederrum für andere Bereiche im Kundenprojekt einsetzen kann: Konzeption, Fotobearbeitung, Textredaktion, Design usw.

Angefangen habe ich vor vielen Jahren mit reinen HTML- und CSS-Seiten. WordPress steckte noch in den Kinderschuhen. Und den Begriff Responsive Webdesign gab es noch gar nicht – also dass sich Webseiten optisch automatisch an die jeweilige Plattform Desktop, Tablet oder Smartphone anpassen. Die meisten Websites wurden nur für den großen Bildschirm entwickelt.

Wieso fühle ich mich gerade so alt?

Nun, für mich persönlich war es ein Entwicklungsprozess hin zu Pagebuildern. Es erleichtert meine Arbeit. Aber das handhabt jeder Webdesigner anders. Wie heißt es so schön? Viele Wege führen nach Rom – solange der Kunde dabei nicht unter die Räder gerät.

Zeichnung eines Webdesigners mit Puzzleteilen

Zeichnung eines Webdesigners mit einem Paragrafen

Was sollte ein Webdesigner noch auf dem Bildschirm haben?

Ein Webdesigner hat auch die rechtlichen Aspekte einer Kundenseite im Blick. Dazu gehören Impressum, Datenschutz, AGB, Widerrufsrecht, Nutzung von Cookies  usw. Er sollte zumindest wissen, wie solche Texte aufgebaut sind und was sie in der Regel beinhalten.

Die rechtlichen Texte für Kunden erstellen gehört eindeutig nicht zu seinen Pflichten. Schon allein aus rechtlichen Gründen. Sollte ein Kunde eine Abmahnung wegen fehlender Hinweise z.B. im Impressum oder in der Datenschutzerklärung erhalten, kann dieser den Webdesigner in Regress nehmen.

Daher liefert der Kunde die rechtlichen Texte selbst. Entweder über einen entsprechenden Generator im Internet wie eRecht24 oder – noch besser – individuell erstellt über einen Fachanwalt oder Datenschutzbeauftragten.  Ich biete meinen Kunden an, dass sich ein Kooperationspartner von mir um die rechtliche Absicherung der Website kümmert. Für den Kunden heißt es, diesen Betrag ins Budget einzukalkulieren. Aber besser so, als irgendwann eine teure Abmahnung zu erhalten.

Aber auch Kunden-, Wartungs- und Kooperationsverträge, Angebote und Rechnungen richtig schreiben gehört mittlerweile zum Arbeitsalltag eines Webdesigners. Auch solche Schriftstücke gehören zur professionellen Außendarstellung, dienen aber auch als „kostenlose“ Werbung, wenn sie entsprechend gestaltet sind.

Ein Netzwerk an Kooperationspartnern

Sicher gibt es noch einige Punkte mehr, die ein Webdesigner beherrschen sollte. Wenn aber doch einmal eine Fähigkeit erforderlich ist, die er nicht in seinem Portfolio anbietet, greift er auf spezialisierte Kooperationspartner in seinem Netzwerk zurück. Das zeichnet meiner Meinung nach einen guten Webdesigner heutzutage aus. Denn unter dem Strich muss immer das Optimum für den Kunden erreicht werden.

Wie würde Professor Bernhard Grzimek jetzt sagen?

„Heute erhielten Sie einen großartigen Einblick in das Leben des possierlichen Webdesigners. Auf Wiedersehen, meine lieben Freunde, und bis zum nächsten Mal.“

Zeichnung von zwei Webdesignern als Kooperationspartner